Drei aktuelle Beiträge

Drei aktuelle Beiträge zum Thema:

Der von Manolis Glezos in seinem Interview mit Harald Neuber (siehe unten) erwähnte „Zeit“-Artikel“ vom September 1995 mit der Überschrift „Ein Unrecht muß gesühnt werden“ findet sich hier: http://www.zeit.de/1995/40/Ein_Unrecht_muss_gesuehnt_werden

„Spiegel online“ (Spon) vom 2. Februar 2015

Griechische Forderung nach Entschädigung: Der Bankraub der Nazis

Von

In Athen kursieren Gedankenspiele, deutsche Schulden aus dem Jahr 1942 zurückzufordern. Doch nicht nur in Griechenland, überall in Europa haben die Finanzexperten der Nazis mit perfiden Methoden besetzte Staaten ausgeplündert.

1942 vergab die griechische Nationalbank eine Anleihe an das Deutsche Reich. 476 Millionen Reichsmark, die Deutschland nie zurückgezahlt hat. Immer mal wieder, und besonders seit in Griechenland die neue Regierung unter Alexis Tsipras an der Macht ist, kursiert in Athen die Idee: Könnte man das Geld nicht zurückfordern, so das Loch im griechischen Staatshaushalt stopfen und zugleich den unbeliebten Deutschen eins auswischen?

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat den Wert der Anleihe inklusive Zinsen 2012 mit 8,25 Milliarden Dollar veranschlagt. Ein griechisches Regierungsgutachten kommt auf elf Milliarden. Diese Größenordnung würde reichen, um Tsipras zumindest eine Atempause zu verschaffen.

Die Bundesregierung vertritt jedoch den Standpunkt, alle Ansprüche Griechenlands auf Kriegsreparationen seien abgegolten oder erloschen, spätestens seit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990. Wirklich eindeutig ist die Rechtslage zwar nicht, aber gegen den Willen der Bundesregierung wird Tsipras zumindest kurzfristig nicht an das Geld kommen. Sein Haushaltsloch muss er anders stopfen.

Doch die Debatte wirft ein Schlaglicht auf ein wenig bekanntes Kapitel der Nazi-Geschichte. Dass Deutschland die im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebiete mit unfassbarer Brutalität ausplünderte, darüber weiß inzwischen fast jeder Bescheid.

Doch neben Verschleppung, Zwangsarbeit, Enteignung und millionenfachem Hungertod gab es noch eine subtilere Raubpolitik der Nazis: Die Geld- und Finanzpolitik des Deutschen Reichs war systematisch darauf ausgerichtet, sich bei den Finanzministerien und Notenbanken der besetzten Staaten zu bedienen – und nebenbei deren Währungen zu ruinieren.

Die wichtigsten Instrumente bei diesen Weiße-Kragen-Verbrechen der Nazis waren:

Forts.: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechische-reparationsforderungen-wie-die-nazis-europa-pluenderten-a-1016178.html
„Frankfurter Rundschau“ (FR) vom  31. Januar 2015
Griechenland
Schuld und Schulden

 Von 

Die Griechen pochen auf eine Wiedergutmachung für das im Zweiten Weltkrieg erlittene Unrecht. Deutschland muss endlich nach einer fairen Lösung suchen.

Einer der ersten Wege des neuen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras führte ihn zum Mahnmal für die Opfer der deutschen Besatzung in Kaisariani, einem Vorort von Athen. Ein symbolischer Akt, der aber neben der moralischen auch eine handfeste materielle Botschaft aussendet. Die neue griechische Regierung wird die Frage der Wiedergutmachung für das im Zweiten Weltkrieg erlittene Unrecht gegenüber Deutschland zur Sprache bringen.

Es geht dabei um Schuld für die an der griechischen Bevölkerung begangenen Verbrechen, die heute immerhin nicht mehr wie einst verdrängt und bestritten wird. Es geht aber auch um Schulden. „Schluss mit den Höflichkeiten, Frau Merkel“, hatte Tsipras auf einer Wahlversammlung gesagt. „Wir schulden Ihnen, Sie schulden uns aber auch. Die Stunde der Abrechnung ist gekommen.“

Die Stunde der Abrechnung. Das ist eine Sprache, die Deutschland in seinen internationalen Beziehungen gewöhnlich gut versteht, nicht im Sinne von Rache, sondern ganz nüchtern im Wortsinn: Die Bundesrepublik, vor allem natürlich ihre starke Exportwirtschaft, präsentiert Rechnungen für gelieferte Waren und geleistete Dienste. So ist auch der offizielle deutsche Blick auf Griechenland kühl: Das Land hat Schulden, die bezahlt werden müssen. Egal, wie. Punkt. Dass Deutschland an den ausgereichten Krediten auch verdient, wird selten erwähnt.

Was aber meint Tsipras, wenn er von deutschen Schulden gegenüber Griechenland spricht und nun eine eigene Rechnung präsentiert? Im Kern geht es um eine Zwangsanleihe in Höhe von 476 Millionen Reichsmark, die Deutschland dem besetzten Griechenland 1942 abgepresst und trotz schriftlicher Zusage nie zurückgezahlt hat. Es gibt verschiedene Berechnungen ihres heutigen Werts, er dürfte realistisch um die zehn Milliarden Euro liegen. Das Thema wird keineswegs allein von Tsipras und seiner Partei verfolgt.

Eine Frage der politischen Moral

Als Bundespräsident Joachim Gauck im vergangenen Jahr Griechenland einen Staatsbesuch abstattete, konfrontierte ihn auch der sozialdemokratische Staatspräsident Karolos Papoulias auf unerwartet massive Weise mit dieser Forderung. Der einstige Widerstandskämpfer appellierte an Deutschland, so schnell wie möglich Verhandlungen über Reparationen und über die Rückzahlung der Zwangsanleihe aufzunehmen. Es handele sich dabei auch um eine Frage der politischen Moral, sagte Papoulias. Es sei ein Widerspruch, „dass vom griechischen Volk gefordert wird, ohne Debatte schmerzhafte Auflagen und Verpflichtungen zu übernehmen, und Deutschland sich weigert, über seit dem Zweiten Weltkrieg ausstehende Verpflichtungen zu debattieren; die Verhandlung abzulehnen; eine internationale Streitentscheidung abzulehnen“.

Tsipras und seine Regierung werden diese Frage nun mit neuer Dringlichkeit und dem Mandat ihrer Wähler in die anstehenden Verhandlungen mit Deutschland und der Europäischen Union einbringen. Die Rechtslage ist nicht so eindeutig, wie die Bundesregierung behauptet.

Forts.: http://www.fr-online.de/leitartikel/griechenland-schuld-und-schulden,29607566,29713192.html

„Griechische Opfer der Wehrmacht werden nicht anerkannt“

Interview (dt./gr.) mit dem griechischen Volkshelden und SYRIZA-Politiker Manolis Glezos

25. Januar  2015

Der griechische Politiker und Widerstandskämpfer Manolis Glezos über die Verbrechen der Wehrmacht, die Haltung der deutschen Bundesregierung und die Wahlen an diesem Sonntag [25. Januar 2015] in Griechenland.

Der 92-jährige Manolis Glezos wurde auf der griechischen Insel Naxos geboren, er ist Europaabgeordneter der Linkspartei SYRIZA und derzeit ältestes Mitglied des Europaparlaments.

http://weltnetz.tv/video/614

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