
Eine monatelange Recherche vieler Investigativgruppen brachte einen weiteren Baustein des umfangreichen Lügengebäudes der griechischen Politik und Justiz ans Licht. Die Recherche erfolgte gemeinsam von Solomon, El País, Die Tageszeitung, ARIJ (dem größten arabischen Investigativnetzwerk) und The New Humanitarian). Was lag für die griechischen Schreibtischtäter näher, als die vielgeübte Strategie der Verwandlung von Gefüchteten in Schleuser zu benutzen. Also manipulierte die Justiz Aussagen Überlebender und machte aus neun überlebenden Ägyptern die an allem schuldigen Sündenböcke. Sie wurden sogar angeklagt, für das Sinken des Schiffes verwanwortlich gewesen zu sein.
Die Rechercheteams erhielten Zugang zu mehr als 700 Seiten interner Dokumente der ägyptischen Staatsanwaltschaft, des ägyptischen Außen- und Innenministeriums, die die vollständige Akte der Ermittlungen der ägyptischen Behörden gegen den Schleuserring enthalten, der die Reise des Pylos-Schiffes organisert hatte. Es war den Ägyptern schnell gelungen, 13 Mitglieder des Schleuserringes zu verhaften, weil die Behörden diesen Fall mit höchster Priorität verfolgten.
Das Schiff sank am 14. Juhi 2023. Die interne Dokumente belegen, dass ägyptische Behörden bereits im Juli 2023 sicher wussten, dass die neun in Griechenland im Gefängnis Festgehaltenen „Opfer“ und nicht Täter waren.
„Am 8. Juli 2023 nahm der ägyptische Generalstaatsanwalt Kontakt mit dem griechischen Justizministerium auf. Er bat um Rechtshilfe in diesem Fall und berief sich dabei auf das am 22. Dezember 1986 unterzeichnete bilaterale Abkommen über die Zusammenarbeit in Strafsachen zwischen Griechenland und Ägypten.“ (Quelle)
Die ägyptische Seite übermittelte alle Informationen, die sie in dem Fall hatte. Die griechische Seite ignorierte alles und weigerte sich auch (nach einer anfänglichen Verzögerungsstrategie), mit den Ägyptern zusammen zu arbeiten, obwohl sie wegen des Abkommens dazu verpflichtet gewesen wären. Eine Zusammenarbeit hätte ihre Sündenbockkonstruktion gefährden können.
Ende August 2023 reiste eine diplomatische Delegation des ägyptischen Staates nach Griechenland, die die acht Angeklagten im Gefängnis von Nafplio traf (der neunte wurde in Avlonas festgehalten). Sehr aufschlussreich ist ein Memo dieser Delegation, das nach der Griechenlandreise verfasst wurde.
Darin heißt es, die griechischen Behörden hätten die neun Ägypter beschuldigt, „um die Aufmerksamkeit von ihrer eigenen Rolle bei der Verursachung des Schiffbruchs abzulenken“. Die griechischen Behörden, so das interne Dokument weiter, „haben die Untersuchung der Telefone der Überlebenden bisher verzögert, was die Darstellung entlarvt, die sie über die Umstände des Vorfalls präsentieren“. Gemeint ist das Abschleppen des Schiffes durch die griechische Küstenwache, dass das Schiff zum Versinken brachte.
Mehr Infos über die Recherche auf englisch: https://wearesolomon.com/mag/format/investigation/pylos-shipwreck-greece-knew-the-real-smugglers/)
(Siehe weitere Beiträge zum Pylosverbrechen):

