Übertourismus

Santorin

In diesem Jahr wurden die Probleme, die die immer größer werdende Zahl von Touristen in Griechenland mit sich bringen, so oft und so laut diskutiert, wei noch nie zuvor. Das Wort Übertourismus Υπερτουρισμός war vielfach zu hören. Natürlich leugnet die Regierung Mitsotakis, dass es so etwas im Lande gibt. Sie setzt auf ihn, weil er gemäß des neoliberalen Weltbildes die kapitalitische Ausbeutung ungehindert ankurbeln soll.
Niels Kadritzke analysiert in gewohnter Schärfe und Breite…

Von Niels Kadritzke, monde-diplomatique.de 17. Oktober 2024:
Tourismus über Alles
Zunächst möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass seit meinem letzten Blogtext fast elf Monate vergangen sind. Die lange Pause hat mit beruflichen und anderen Belastungen zu tun, aber auch mit einem merkwürdigen Schwebezustand der griechischen Gesellschaft und Politik. Und mit der ständigen Vermutung, dass der Ist-Zustand zu unbeständig ist, um ihn schlüssig beschreiben zu können. Das gilt insbesondere für den Verfallsprozess der griechischen Linken, die von einer Krise in die andere taumelt, sodass jede Darstellung des Desasters nach einer Woche schon wieder überholt erscheint. Es gilt aber auch für die innere Krise der Mitsotakis-Regierung, die stark an Vertrauen eingebüßt hat und bereits über eine abermalige Wahlrechtsänderung nachdenkt, die ihr die Regierungsmacht auch bei erheblichen Stimmenverlusten garantieren könnte.
Ich werde dennoch in den nächsten Wochen versuchen, diese Entwicklungen auf der unübersichtlichen politischen Bühne zu verfolgen und darzustellen. Zunächst aber erscheint an dieser Stelle ein Text, der durch die europaweite Diskussion über das Phänomen des „Übertourismus“ angeregt wurde. Ich habe dazu für die September-Ausgabe von LMd eine Glosse verfasst, deren Würze in der Kürze liegt, deren Thesen ich aber unbedingt auf ein breiteres Fundament von empirischen Fakten und Argumenten stellen will. In der Hoffnung, dass auch die Leser:innen des LMd-Textes interessiert sind, ein genaueres Bild von den Problemen und Widersprüchen der griechischen „Schwerindustrie“ zu gewinnen.
Ein wahres Schmuckstück
Mein Nachbar, nennen wir ihn Sotiris, liebt sein Dorf. Hier ist er aufgewachsen, hier lebt er mit seiner Familie, inmitten einer rapide alternden Bevölkerung. Sotiris will seinen Heimatort lebendig erhalten. Und so hat er zwei alte Häuser aufgekauft, deren Bewohner verstorben waren, und fast im Eigenbau in “traditional luxury apartments” umgewandelt. Mit lokalen Materialien und Respekt für die architektonische Tradition, ein wahres Schmuckstück.“
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