
Von Dimitris Angelidis, efsyn 06.10.23:
„Nach Angaben von Aegean Boat Report wurden in der letzten Woche mindestens 27 steuerlose Rettungsflöße mit 574 Flüchtlingen entdeckt, die meisten davon vor Lesbos. ● Die Organisation weist darauf hin, dass die griechische Küstenwache ihre bekannten illegalen Operationen wieder verstärkt aufgenommen hat. ● Zugleich spricht [der zuständige Minister] Dimitris Kairidis von einem deutlichen Rückgang der Flüchtlingsankünfte.
Mehr als 27 aufblasbare Rettungsflöße mit 574 Flüchtlingen an Bord wurden von der türkischen Küstenwache in der letzten Septemberwoche in der Ägäis entdeckt. Dies geht aus den Daten von Aegean Boat Report hervor, einer Organisation, die Vorfälle von Zurückweisungen [pushbacks] an der griechisch-türkischen Grenze erfasst.
Die Organisation schlägt Alarm, dass die griechische Küstenwache nach einer dreimonatigen Pause nach der [seitens des griechischen Staats] verbrecherischen Schiffskatastrophe bei Pylos die bekannten illegalen Rückführungsaktionen wieder aufgenommen hat, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem der Minister für Einwanderung und Asyl, Dimitris Kairidis, von einem spürbaren Rückgang der Flüchtlingsankünfte auf den griechischen Inseln in den letzten Tagen spricht.
Nach Angaben von Aegean Boat Report wurden in den letzten drei Monaten nach dem Schiffbruch von Pylos nur vier steuerlose aufblasbare Rettungsflöße mit Flüchtlingen in der Ägäis entdeckt; auf den Inseln gab es keine Berichte mehr über die Aktivitäten maskierter Männer, die Flüchtlinge verfolgen, informell festnehmen und misshandeln, bevor sie sie zwingen, auf Schiffe der Küstenwache und dann in steuerlose Flöße zu steigen.
Zum Vergleich stellt die Organisation fest, dass vor dem Schiffbruch [bei Pylos] durchschnittlich 32 aufblasbare Rettungsflöße mit Flüchtlingen pro Monat entdeckt wurden, im Durchschnitt acht pro Woche. Es scheint jedoch, dass die griechische Küstenwache wieder mit voller Kraft zuschlägt: Innerhalb von acht Tagen, vom 24. September bis zum 1. Oktober, sichtete die türkische Küstenwache etwa so viele Schlauchboote wie zuvor in einem Monat, nämlich 27 Schlauchboote mit 574 Flüchtlingen, die meisten davon vor Lesbos.

Die Wiederaufnahme der Pushbacks fällt mit einem Rückgang der Ankünfte [Geflüchteter] auf den griechischen Inseln zusammen. Nach Angaben des Ministeriums für Einwanderung und Asyl wurden in der Woche vom 25. September bis zum 1. Oktober, als die aufblasbaren Rettungsflöße wieder auf der Bildfläche erschienen, 1.986 Ankünfte auf den Inseln verzeichnet, davon 525 auf Lesbos und 520 auf Samos. In der unmittelbar vorangegangenen Woche, vom 18. bis 24. September, waren es 2.557, davon 857 auf Lesbos und 763 auf Samos.
In der vergangenen Woche sprach der Minister für Einwanderung und Asyl, Dimitris Kairidis, in Fernsehinterviews und am vergangenen Montag im Parlament von einem Rückgang der Ankünfte in den letzten Tagen, wobei er darauf hinwies, dass er auf die konsolidierten Zahlen für Oktober warte, um konkrete Angaben machen zu können.
Nach Informationen der Zeitung der Redakteure [EfSyn] hatte das Ministerium jedoch Ende September die Verwaltungen der Flüchtlingsaufnahmelager darüber informiert, dass die Ankünfte zurückgehen würden, zumal die geschlossenen Lager von Samos und Lesbos ihr Aufnahmepotenzial bereits überschritten haben, insbesondere auf Samos, wo mehr als 4.000 Menschen unter fürchterlichen Bedingungen untergebracht sind, mehr als das Doppelte der 2.040 Plätze des Lagers. [D. h. die Regierung hatte bereits die Küstenwache angewiesen, die Pushbacks wieder verstärkt durchzuführen. So konnte der Minister „voraussagen“, dass die Ankünfte von Geflüchteten zurückgehen würden; Anm. d. Übers.]
Alarm
Nach Informationen von „EfSyn“ hat die Überfüllung der Lager auf den Inseln die Asylbehörde alarmiert. Sie hat sich inzwischen entschieden, auf die Anhörung von Menschen aus Ländern mit einer hohen Anerkennungsquote von über 95 % (Afghanistan, Syrien, Eritrea, Palästina, Sudan, Jemen) zu verzichten und sofort Flüchtlingsstatus zuzuerkennen. Außerdem gibt sie der Bearbeitung von Asylfällen auf den Inseln statt auf dem Festland und der schnelleren Ausstellung von Reisedokumenten, die anerkannten Flüchtlingen die [Weiter-]Reise ins Ausland ermöglichen, sofortige Priorität.“
Übersetzung: Achim Rollhäuser

