Das Elend auf Lesbos geht weiter – im neuen Gewand

Polizei in Kara Tepe

Von Claus Kittsteiner:
Was hat sich durch den Brand in Moria geändert?  
In den internationalen Medien werden Bilder vom neuen Hotspot-Gelände auf dem Militär-Schießplatz bei Mytilini/Kara Tepe gezeigt. Es ist schon jetzt trotz neuer Zelte ein Elendslager ohne  Strom, ohne Grundversorgung wie Essen, fließendes Wasser und Toiletten, Tausende gehen ins Gebüsch. Die Regenzeit steht bevor, aber es gibt keine Fußböden in den Zelten, die Matratzen und Decken im Zelt liegen auf dem Sandboden, wie mir heute von Bewohnern des neuen Lagers auf meine Anfrage hin bestätigt wurde. Sie werden von Spezialeinheiten aus Athen bewacht, sie fühlen sich als Inhaftierte. Unter den bislang 9000 im neuen Lager untergebrachten Geflüchteten waren alle getestet und einige Covid19-Infizierte separat untergebracht worden, heißt es. Über die Zahl der Infizierten unter den sich außerhalb des neuen Lagers aufhaltenden ehemaligen Moria-Bewohnern fehlt es an genauen Angaben.  

Wäre Moria ohnehin geschlossen worden? Mit welchem Ziel?  
Das Ministerium für Einwanderung und Asyl in Athen propagiert gegenwärtig nach außen, dass alle Insassen des neuen Lagers innerhalb eines halben Jahres  bis Ostern 2021 von der Insel aufs Festland gebracht würden. Dem widerspricht aber die bislang wenig bekannte inoffizielle Langfristplanung des Ministeriums für die kommenden Jahre. Die Planung für das neue Lager soll im Hintergrund schon länger gelaufen sein, der ungewöhnlich schnelle Aufbau von Zelten für ca.10.000 Menschen innerhalb weniger Tage spricht für diese Vermutung. Die immensen Gelder für die Anmietung des neuen Geländes Kara Tepe waren bereits vor dem Brand eingeplant und abgesichert worden, so der frühere Bürgermeister der Inselhauptstadt Mytilini, Spyros Galinos aktuell in der Lokalpresse. Er kritisiert: „…dass das Ministerium für Einwanderung und Asyl für den Zeitraum von September 2020 bis 31. Dezember 2025 den astronomischen Betrag von 2,9 Millionen Euro nur für die Vermietung von trockenem und verlassenem Land in Kara Tepe zur Verfügung stellt, um ein neues permanentes KYT [Zentrum für die Erstaufnahme und Identifizierung] zu erstellen.“ Quelle:https://www.stonisi.gr/post/11478/poios-foreas-symfwnhse-gia-ton-kara-tepe
Mit einer Neuauflage von Moria werden sowohl die auf den Inseln noch länger festgesetzten Geflüchteten als auch die deshalb mit Recht aufgebrachten Inselbewohner von der Regierung in Athen hinters Licht geführt. Die Lager auf den Inseln werden aufrecht erhalten, nicht geräumt, auch nicht bis Ostern 2021. Die dezidierte Abschreckungspolitik geht weiter, den Interessen der EU-Staaten entsprechend. Der Brand in Moria hat daran offensichtlich nichts geändert. Was folgt diesem Elend?   Claus Kittsteiner, 20.September 2020 

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Spendenbitte  
Der Verein http://respekt-für-griechenland.de/?p=3941  sammelt wieder Spenden für Lebensmittel, Wasser etc., auch unsere Freiwilligen von ‚Volunteers for Lesbos‘ sind gegenwärtig voll damit beschäftigt, Hilfsmittel aller Art an den Absperrungen des neuen Lagers an die völlig unterversorgten Geflüchteten zu verteilen und insbesondere Familien mit Kindern zu unterstützen.   Spendenkonto: IBAN: DE15 4306 0967 1175 7746 02,   BIC: GENODEM1,   GLS-Kontoinhaber: Respekt für Griechenland e.V., Verwendungszweck: Volunteers for Lesvos/Lesbos-Soforthilfe  

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K o n t a k t :
Claus.Kittsteiner@gmx.de
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Projekte / Aktivitäten:
https://clauskittsteiner.wordpress.com/ (Lesbos-Hilfe)
http://xt.respekt-für-griechenland.de/ (Soli-Bewegung)
http://www.wasserkarawane.de/ (Privatisierung u.a.)
https://www.attac.de/ (Globales)
www.friedensregion-bodensee.de
https://keinewaffenvombodensee.de

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Eine Antwort zu Das Elend auf Lesbos geht weiter – im neuen Gewand

  1. kokkinos vrachos schreibt:

    DER TAGESSPIEGEL
    Grüner filmt Minensuche in neuem Flüchtlingslager
    „Das Wahnsinnigste, das heute in Europa passiert“
    Das Übergangslager für die Moria-Flüchtlinge ist auf einem früheren Truppenübungsplatz. Der Grüne Erik Marquardt hält das Gelände für „völlig verseucht“.
    https://m.tagesspiegel.de/politik/gruener-filmt-minensuche-in-neuem-fluechtlingslager-das-wahnsinnigste-das-heute-in-europa-passiert/26202458.html

    „Mir geht es nicht darum, dass Geflüchtete einen Whirlpool haben“
    Der Europaabgeordnete Erik Marquardt will obdachlose Geflüchtete aus Moria auf Kreuzfahrtschiffen unterbringen. Er hat mehr Angst um ihr Leben als vor der Neiddebatte.
    https://www.zeit.de/entdecken/2020-09/moria-lesbos-eu-fluechtlingspolitik-kreuzfahrtschiffe-erik-marquardt

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